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Nachhaltige Euro 2024? Ein Bilanzversuch

Julia Wlasak Kategorie: Nachhaltiger Sport Jul 14
Reading Time: 5 minutes

Die UEFA EURO 2024 der Männer war für viele eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit unvergesslichen Fußballmomenten. Wir tragen die Stimmen von ExpertInnen zusammen und ziehen eine erste Nachhaltigkeitsbilanz der „nachhaltigsten Fußball-Europameisterschaft aller Zeiten“.  

Die UEFA EURO 2024 der Männer war für viele eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Tränen der Freude und der Trauer flossen, Fans lagen sich in den Armen und unvergessliche Fußballmomente werden noch lange in Erinnerung bleiben. Nun ist das Spektakel vorbei, und es ist an der Zeit, einen genaueren Blick auf die Nachhaltigkeitsbilanz dieses Großereignisses zu werfen. Obwohl das Turnier als die „nachhaltigste Fußball-Europameisterschaft aller Zeiten“ angekündigt wurde, gibt es zahlreiche kritische Stimmen, die die Umsetzung dieser Vision hinterfragen. In diesem Artikel betrachten wir die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit bei der Euro 2024, beleuchten die Meinungen von ExpertInnen vor Ort (die sich je nach Austragungsort ebenfalls unterschieden) und ziehen ein vorsichtiges Fazit zur Realität hinter den großen Versprechungen.

Wasserversorgung sorgte mancherorts für Kopfschütteln

Joana Ciraci von a tip:tap hat ihre Eindrücke aus dem Olympiastadion geteilt und betont, dass die Organisation noch viel Verbesserungspotential hat. Sie beschreibt, dass Fans dazu ermutigt wurden, ausreichend Wasser zu trinken, jedoch mussten mitgebrachte Trinkflaschen am Eingang entsorgt werden. Der Zugang zu kostenlosem Trinkwasser war auf dem Stadiongelände nahezu nicht existent, abgesehen von den Toiletten, wo sich theoretisch Wasser abfüllen ließ. Joana schlägt vor, dass die Veranstalter einfache Maßnahmen wie die Bereitstellung von Wasserstationen umsetzen könnten, um den Durst der Fans umweltfreundlich zu stillen.

Am Finaltag wurde zudem in Berlin Wasser aus Plastik in Mehrwegbecher umgefüllt.

Weitere Verbesserungsvorschläge liefert z.B. die Organisation a tip:tap, wie z.B. anlässlich des Weltwassertages!

Weitere Maßnahmen, wie die Bereitstellung von Sonnenschutz-Automaten und Hinweise zu Anlaufstellen zur Unterstützung bei Diskriminierungsvorfällen, sind jedoch erwähnenswert und wurden positiv und als wichtig wahrgenommen.

Mülltrennung: Ein Schritt vorwärts, zwei zurück?

Während die Mülltrennung in der Berliner Fan Zone gut organisiert war, mit separaten Tonnen für verschiedene Abfallarten, war dies im Stadion selbst weniger vorbildlich. Augenzeugen berichten, dass im Stadion große graue Tonnen für alle Arten von Abfällen bereitstanden, was eine effektive Mülltrennung unmöglich machte. Diese Diskrepanz zwischen Fan Zone und Stadion zeigt, dass noch viel Arbeit nötig ist, um ein konsistentes Nachhaltigkeitskonzept zu implementieren.

Merchandising und Sponsoren

Ein weiteres Thema, das mehrmals angesprochen wurde, ist das Sponsoren-Merchandising. Lidl verteilte gebrandete Sonnenbrillen, die weder praktisch noch besonders ästhetisch ansprechend waren, während Alipay+ Plastik-Fächer verteilte, die einzeln in Plastiktüten verpackt waren. Diese Beispiele verdeutlichen, dass trotz der Bemühungen um Nachhaltigkeit viele Initiativen der, eigentlich teils fragwürdigend Sponsoren, weiterhin umweltschädlich sind und nicht mit den Nachhaltigkeitszielen des Turniers im Einklang stehen.

Reisen der Teams: Fliegen statt Fahren

Maximilian Rieger vom Deutschlandfunk hat die Reiserouten der Teams während der Gruppenphase beleuchtet und dabei festgestellt, dass 25% der Reisen per Flugzeug erfolgten, obwohl Bus und Bahn grundsätzlich umweltfreundlichere Alternativen gewesen wären. Besonders kritisch sieht er, dass selbst bei kurzen Strecken, wie von Hannover nach Hamburg, geflogen wurde. Obwohl die meisten Reisen mit dem Bus durchgeführt wurden, zeigt der häufige Einsatz von Flugzeugen, dass Nachhaltigkeit oft hinter dem sportlichen Komfort zurücktritt. Rieger hebt jedoch auch positive Beispiele hervor, wie die Schweizer Nationalmannschaft, die fünfmal mit der Bahn reiste und damit einen wichtigen, aber eigentlich auch selbstverständlichen Schritt in Richtung nachhaltiger Mobilität unternahm.

Die Herausforderung der Infrastruktur

Die Euro 2024 stellte allerdings die Infrastruktur Deutschlands auf eine harte Probe. Während die Deutsche Bahn ihre Ressourcen maximierte und zusätzliche Züge bereitstellte, um den Fanandrang zu bewältigen, wurden dennoch strukturelle Schwächen offensichtlich. Einige österreichische Fußball-Fans sind wegen Problemen mit der Deutschen Bahn zu spät im Stadion angekommen, manche verpassten sogar das komplette Spiel. 

Ähnlich erging es EM-Turnierdirektor Philipp Lahm. Aufgrund einer Verspätung der Deutschen Bahn schaffte auch er es nicht rechtzeitig nach Düsseldorf zum Anpfiff des Spiels zwischen der Ukraine und der Slowakei.

Am richtigen Weg?

LinkedIn Topvoice Vanessa Nord betont die Notwendigkeit, Nachhaltigkeit im Sport differenziert zu betrachten. Sie argumentiert, dass der Sport, ähnlich wie andere Industrien, sich erst allmählich in Richtung Nachhaltigkeit bewegt. Nord hebt hervor, dass es unfaire Erwartungen sind, sofort perfekte Lösungen zu erwarten, da strukturelle Veränderungen Zeit brauchen. Sie ruft zu einem ausgewogenen und realistischen Blick auf die Bemühungen der UEFA auf, die Nachhaltigkeit zu verbessern, während sie anerkennt, dass noch viel zu tun bleibt.

Fanreisen

Laut einem Bericht der Fairtrade Stadt Hamburg haben die 2,7 Millionen Fans, die nach Deutschland gereist sind, um die Euro 2024 zu erleben, einen erheblichen Teil des CO2-Fußabdrucks des Turniers verursacht. Trotz der Bemühungen, die Fans zur Nutzung der Bahn zu ermutigen, bleiben Herausforderungen zur Infrastruktur bestehen.

Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht genug

Die UEFA Euro 2024 hat, auch wenn die von uns genannten Beispiele bei weitem nicht die komplette Bandbreite der Veranstaltungen abdecken, in puncto Nachhaltigkeit einige Fortschritte gemacht, aber auch deutliche Mängel offenbart. Während Initiativen wie die Mülltrennung in der Fan Zone oder die Reisen der Schweizer Nationalmannschaft in die richtige Richtung weisen, gibt es zahlreiche Bereiche, in denen Verbesserungen dringend nötig sind. Es zeigt sich, dass die „nachhaltigste Fußball-Europameisterschaft aller Zeiten“ doch noch weit von ihrem Ziel entfernt ist.

Letztlich muss der Sport als Plattform genutzt werden, um das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schärfen und echte Veränderungen anzustoßen. Dabei ist es wichtig, sowohl die positiven Entwicklungen anzuerkennen als auch die kritischen Punkte offen anzusprechen. Nur so kann Nachhaltigkeit im Sport langfristig gesichert und weiterentwickelt werden.

Insgesamt bleibt zu hoffen, dass zukünftige Turniere aus den Fehlern und Erfolgen der Euro 2024 lernen – wobei sich die Frage stellt: Können Sportgroßveranstaltungen überhaupt nachhaltig sein?

Was waren eure Erfahrungen zur EURO 2024? Lasst sie uns gerne wissen!

Julia von move4sustainability

Portrait

Julia ist Vollblut-Sportlerin. Sie blickt auf umfassende Erfahrung im Nachhaltigkeitsbereich zurück und wundert sich, warum Sport so wenig Aufmerksamkeit darin bekommt. Deswegen gründete sie im Dezember 2019 move4sustainability.

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